News & insights
Einflussfaktoren auf den Independent Aftermarket

Unser CPM-Automotive Experte Heiko Rogge über eine Vielzahl wichtiger Einflussfaktoren auf den Independent Aftermarket und sich daraus ergebende Chancen für die Teileindustrie.

 

 

Aktuell erfährt der IAM einen Wandel seiner Struktur durch eine Vielzahl von Firmenfusionen und -übernahmen; sowohl auf nationaler aber auch internationales Ebene. Ein Beispiel dafür ist die Übernahme von TROST durch Wessels Müller und deren Aufstieg zum deutschen Mega-Distributor mit nationaler Vorrangstellung. Auch die Übernahme des deutschen Großhändlers Stahlgruber durch die US-amerikanische LKQ Corporate sorgte für großes Aufsehen in der Branche. Es ist davon auszugehen, dass osteuropäische und asiatische Anbieter ihre Präsenzen im deutschen Aftermarket massiv ausbauen werden. Der Preisdruck auf die Teileindustrie wird somit durch die Ausnahme- und Vormachtstellung der Handels-Grossisten weiter zunehmen.

 

Ein weiterer Einflussfaktor im IAM ist die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge. Die Fahrzeuge sind nicht nur miteinander, sondern auch mit den Fahrzeugherstellern vernetzt. Visionär erstreckt sich diese Vernetzung über den Nutzer bis hin zur Werkstatt. Autos werden zukünftig in der Lage sein, anstehenden Service- und Teilebedarf automatisch zu ermitteln und anschließend zu versenden. Eine entsprechende Werkstattsteuerung der Fahrzeuge sowie die Terminkoordinierung erfolgen ebenso autonom. Gleiches gilt sowohl für die Ermittlung des Teilebedarfs als auch die Teilebestellung.

 

Die Speicherung und Verwendung der Fahrzeugdaten und somit auch deren Nutzer stehen im Fokus. Ehemals branchenfremde Unternehmen werden auf Grund des Interesses an den Daten auf den Fahrzeug- bzw. Aftermarket drängen.

 

Auch die künftigen Ansprüche an Mobilität und Verkehr verändern sich aufgrund von Megatrends wie Demographie, Klimawandel und Ressourcenknappheit sowie Globalisierung und Liberalisierung zusehends. Dies fördert das Entstehen unterschiedlicher Mobilitätskonzepte und Dienstleistungen: Carsharing und nutzungsabhängige Bezahlmodelle lassen potentiell die Volumina im Aftermarket sinken.

 

Mit Blick auf die öffentliche Dieseldiskussion und den dadurch entstehenden politischen Druck, werden alternative Antriebe den Teilebedarf in den Werkstätten und somit im gesamten Aftermarket mittel- bis langfristig beeinflussen. Auch wenn es nach wie vor Verbrennungsmotoren gibt und mittelfristig geben wird, drängen Hybrid- und Elektrofahrzeuge verstärkt auf den Markt. Dadurch sehen sich ganze Produktgruppen (Motoren-, Abgas-, Bremsenteile) mit einer veränderten Nachfragesituation konfrontiert. Dagegen wird der Bedarf an Elektronikteilen und Batterietechnik überproportional stark ansteigen. Wasserstoffgetriebene Motoren sind ebenfalls auf dem Vormarsch.

 

Wie in der Studie „Einkaufsverhalten von Werkstätten im Spannungsfeld zwischen IAM & OES“ der Wolk Aftersales Experts eingehend beleuchtet, drängen OES-Teile verstärkt in den IAM. Begleitend dazu bieten diese Teilegroßhändler einen erheblich besseren technischen und informativen Support als die Teilegroßhändler des IAM. Dadurch könnten die Werkstattbasis in Zukunft geneigt sein, einen signifikanten Preisunterschied zu Lasten des OES doch zu akzeptieren.

 

Ein weiterer Faktor der Zukunft wird das Thema „Autonomes Fahren“ sein, welches einen gravierenden Rückgang des Bedarfs an Karosserie- und Verschleißteilen nach sich zieht. Durch die verwendeten Techniken ist mit Umsatzeinbußen von 52% bis 2030 bei Karosserieschäden (gemäß KPMG) zu rechnen. Gesteuert von entsprechender Fahrzeugtechnik leistet das „intelligente Fahren“ einen deutlichen Beitrag zur Bedarfsreduktion von Verschleißteilen.

 

Der am ehesten zu steuernde Einflussfaktor des IAM ist die deutlich veränderte Eigenwahrnehmung der freien Werkstätten. Hieraus entstand in den vergangenen Jahren ein klarer und selbstbewusster Anspruch an Industrie und Teilehandel. Ein eindrucksvolles Statement gab Herr Achenbach, selbst Inhaber einer freien Kfz-Werkstatt in Bochum, als er auf dem diesjährigen Wolk Aftermarket Forum in Essen sagte: „Dem eigentlichen Kfz-Ersatz- oder Verschleißteil muss noch etwas anderes folgen. Wir brauchen wieder mehr Informationen!“

 

Die deutsche Aftermarket-Industrie steht also vor großen Herausforderungen, wenn sie sich nicht von den aufgezeigten Faktoren dirigieren lassen möchte.

 

Ein Schlüsselfaktor ist aus unserer Sicht die Loyalität der freien Werkstätten sowie der direkte Kontakt der Industrie zur Werkstattbasis. Eine gelebte, aktive Beziehung auf direktem Weg zwischen Werkstatt und Industrie wird in Zukunft eine herausragende Stellung im Kampf um Marktanteile und Marktpositionierung haben.

 

 

Den nächsten Artikel zum Thema “Einfluss von alternativen Antrieben auf den Independent Aftermarket” finden Sie hier!

 

Die CPM Germany Bad Homburg bietet spannende Ansatz- und Lösungsmöglichkeiten zum Thema „Aktive Marktbearbeitung und Face-to-Face-Kontakte in freien Kfz-Werkstätten“. Gerne stehe ich Ihnen für ein Gespräch über dieses entscheidende Zukunftsthema zur Verfügung. Ein Anruf genügt: +49 6172 805 377



WATCH OUR SHOWREEL
CPM JOBS
Top